NFP Sensiplan – natürliche Verhütung ohne Hormone

Immer mehr Frauen entscheiden sich für eine Verhütungsmethode ohne Hormone. Und das hat auch einen Grund: Man sollte sich gut überlegen, ob man künstliche Hormone einnehmen möchte, die den gesamten weiblichen Zyklus steuern und eingreifen, wo es eigentlich nicht benötigt wird. Von den Nebenwirkungen ganz zu schweigen… Hier möchte ich gerne die symptothermale Methode mit Sensiplan vorstellen, die zu der Kategorie der NFP (Natürliche Familienplanung) zählt. Mit dieser Methode kannst du natürlich und ohne Hormone verhüten. Und das Tolle daran ist, dass du deinen Zyklus und deinen Körper viel besser kennenlernen kannst. Ein bewusster Umgang mit der natürlichen Weiblichkeit… das klingt doch schön oder?

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Pärchen | Foto: pixabay.com

NFP, symptothermale Methode, Sensiplan – was ist das?

Der Name „Natürliche Familienplanung“ hat zu Beginn den Anschein, dass es sich hierbei (nur) um eine Methode handelt, die Pärchen mit unerfülltem Kinderwunsch auf eine natürliche Weise  dabei unterstützt, ein Baby zu bekommen. Das ist soweit auch richtig, aber NFP kann genauso zur Empfängnisverhütung eingesetzt werden: 1 Methode mit 2 Einsatzmöglichkeiten.

Eine Variante dieser NFP ist die symptothermale Methode. Die Arbeitsgruppe NFP, die 1981 gegründet wurde, entwickelte daraus die Methode Sensiplan.
Sensiplan ist eine natürliche Verhütungsmethode und wurde so konzipiert, dass anhand von bewusster Körperwahrnehmung und auftretenden körperlichen Veränderungen während des Zyklus die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage bestimmt werden können. Basaltemperatur und Zervixschleim-Beobachtungen werden hier in Kombination dokumentiert und ausgewertet. Das bietet eine höhere Sicherheit als die reine Erfassung der Basaltemperatur, wie es bei der Temperaturmethode der Fall ist.

Die sympthothermale Methode ist eine hormonfreie Möglichkeit zur Empfängnisverhütung, die durch die Auswertung der Basaltemperatur und der Zervixschleim-Qualität (+ optional Muttermund-„Stand“) zu einer sicheren Aussage über die fruchtbaren Tage während des Zyklus führt. Voraussetzung ist natürlich die richtige Anwendung! Der Pearl-Index von dieser Methode liegt bei 0,4–2,3. (Der Pearl-Index sagt aus, wie viele Frauen – von 100 – bei der korrekten Anwendung der jeweiligen Verhütungsmethode bei einer Anwendungszeit von 1 Jahr schwanger werden.)

Folgende körperlichen Anzeichen werden beobachtet, erfasst und ausgewertet:

  • Basaltemperatur (Aufwachtemperatur)
  • Zervixschleim
  • optional: Muttermund

Mittelschmerz und Brustsymptom können zusätzlich ebenfalls hilfreich sein für die Bestimmung der fruchtbaren Tage.

Für wen ist die Methode geeignet?

Diese Methode ist prinzipiell für alle Frauen geeignet, die sich mit ihrem Körper genauer beschäftigen möchten und bereit sind, täglich die Vorgänge des eigenen Körpers zu beobachten. Für die regelmäßige und sorgfältige Erfassung der Basaltemperatur und der Zervixschleimqualität ist schon eine gewisse Disziplin gefragt.

Die Verhütung mit Sensiplan sollte eine bewusste und überlegte Entscheidung sein und zur persönlichen Lebenssituation passen. Für manche Frauen ist diese Art der Verhütung sehr gut geeignet, für andere eher weniger. Eine ganz junge Frau, die noch wenig Erfahrung mit dem eigenen Körper hat, wird sich mit dem Erlernen dieser Methode wahrscheinlich schwerer tun, als eine Frau, die ihren Körper und Zyklus bereits kennt und dadurch bewusst auf Körpersignale und Veränderungen achten kann. Für die korrekte Anwendung ist Übung erforderlich, kann aber von jeder Frau erlernt werden.

Nach dem Absetzen der Pille

Viele Frauen, denen nach langjähriger Pillen-Einnahme die Lust auf künstliche Hormone vergangen ist, entscheiden sich für eine natürliche Verhütungsmethode. Nach dem Absetzen der Pille kann es bis zu einem Jahr dauern, bis sich der Hormonhaushalt wieder normalisiert hat und alle Funktionen wieder in geregelten Bahnen ablaufen.
Das bedeutet, dass die symptothermale Methode hier schwerer anzuwenden sein kann, da der Körper noch etwas durcheinander ist und der Zervixschleim beispielsweise kein klares Muster nach der Auswertung ergibt.

Hier sollte man abwarten, bis der Körper seine normale Arbeit wieder aufgenommen hat und der Zyklus wieder im normalen Rhythmus angekommen ist, um Sensiplan sicher und ohne Probleme anwenden zu können. Ein Beginn mit Sensiplan ist sogar direkt nach dem Absetzen der Pille möglich. Hierfür sieht die Methode aber bestimmte Sonderregelungen vor.

Wenn du dir nicht sicher bist, ob die Methode für dich in Frage kommt, dann kannst du dich bei der Malteser Arbeitsgruppe NFP genauer informieren.

Was brauchst du für Sensiplan?

Für die symptothermale Methode sind nur ein paar wenige Utensilien notwendig:

  • Zyklusblatt
  • Basalthermometer
  • Bleistift
  • Radiergummi
  • Lineal (optional)
  • Natürlich & Sicher – Das Praxisbuch von Arbeitsgruppe NFP und/oder ein Beratungstermin bei der Arbeitsgruppe NFP

Man muss auch eine „Einarbeitungs- und Übungsphase“ von ungefähr 3 Zyklen mit einplanen, um die Methode sicher anwenden zu können.

Wer es ganz modern und bequem haben möchte, der kann sich auch einen Zykluscomputer nach Hause holen. Diese Minicomputer haben ein integriertes Thermometer, das die Temperatur direkt beim Messen auf dem Gerät speichert. Zusätzlich kannst du das Gerät mit Daten zum Zervixschleim und/oder Muttermund füttern – die Auswertung erledigt dann der handliche Computer für dich. Zu diesem interessanten Gerät wird auch noch ein ausführlicher Testbericht von mir kommen… 🙂

Es gibt mittlerweile auch zahlreiche Apps, die die eingegebenen Daten auf Grundlage der symptothermalen Methode auswerten.

Wie funktionierts?

Jeden morgen wird noch vor dem Aufstehen die Basaltemperatur gemessen. Wichtig ist, dass dies jeden Tag zur gleichen Zeit passiert. Kleinere Abweichungen der Uhrzeit sind in Ordnung, es sollten aber nicht mehr als +/- 2 Stunden sein. Die Temperatur wird dann in das Zyklusblatt eingetragen.

Tagsüber wird der Zervixschleim beobachtet. Da sich die Qualität des Schleims verändert, je nachdem an welchem Punkt man im Zyklus steht, ist die genaue Bewertung hier sehr wichtig. Nach der Blutung wird der Zervixschleim zunächst zäh, cremig und klumpig. Je näher man dem Eisprung kommt, desto flüssiger und dehnbarer wird der Zervixschleim. Nach dem Eisprung wird er wieder weniger, zäh und cremig.
Am Ende des Tages wird die beste Schleimqualität des Tages eingetragen. Wenn du noch genauer wissen möchtest, was während des Zyklus im Körper vor sich geht, dann kannst du das im Artikel Der natürliche weibliche Zyklus nachlesen.

Zusätzlich kann auch der Muttermund untersucht und abgetastet werden. Dies gibt zusätzliche Informationen über den Stand des Zyklus.

Es gibt allerdings auch Störfaktoren, die die Temperatur beeinflussen und so das Ergebnis der Auswertung verfälschen können. Beispielsweise: Stress, Erkrankungen, Alkohol, andere Schlafenszeiten. Hier werden die betreffenden Tage ausgeklammert und in der Auswertung ignoriert. Ob diese Faktoren die Temperatur beeinflussen, ist ganz individuell und kann von jeder Frau in der „Übungsphase“ der Methode herausgefunden werden.

Nach klar definierten Regeln wird das Zyklusblatt ausgewertet und so die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage bestimmt.

An den fruchtbaren Tagen muss ein „zusätzliches“ Verhütungsmittel (z.B.: ein Kondom) verwendet werden. Genauso an Tagen, an denen du unsicher bist, ob nun fruchtbare oder unfruchtbare Tage sind. Bei Unsicherheiten verwende lieber zusätzliche Verhütungsmethoden und wende dich an eine Beratungsstelle der Arbeitsgruppe NFP, um Unklarheiten zu beseitigen.

Diese Methode schützt nicht vor Geschlechtskrankheiten! Auch hier gilt es, ein Kondom zu verwenden, um sich vor entsprechenden Erkrankungen zu schützen.

  Hinweis:

Dieser Artikel ist keine vollständige „Gebrauchsanweisung“ der symptothermalen Methode. Ich möchte lediglich die natürliche, hormonfreie Verhütungsmethode in einem überschaubaren Rahmen vorstellen. Für die korrekte Anwendung ist es notwendig, dass du dich mit der Methode beschäftigst und dich sorgfältig informierst, beispielsweise über entsprechende Literatur und/oder einen Beratungstermin bei der Arbeitsgruppe NFP.

Auf meiner Recherche zu einer alternativen Verhütungsmethode ohne Hormone bin ich auf das Buch Natürlich & Sicher – Das Praxisbuch von der Arbeitsgruppe NFP gestoßen, welches dann auch die Grundlage für diesen Artikel wurde. Ich finde, dass die Methode Sensiplan in diesem Buch sehr anschaulich und einfach erklärt ist. Es wird auf alle wichtigen Themen eingegangen, ohne aber das Buch langatmig werden zu lassen. Wichtige Punkte sind nochmals übersichtlich in einer Zusammenfassung aufgeführt, sodass du auch schnell Informationen nachschlagen kannst – was gerade für die Einsteigerinnen sehr von Vorteil ist 🙂

Hast du schon Erfahrungen mit einer natürlichen Verhütungsmethode gemacht? Ich freue mich über deine Meinung zum Thema 🙂

Bis bald

Signatur-Mona-xoxo-schräg-web

Quellen: BUCH Natürlich & Sicher – Das Praxisbuch von Arbeitsgruppe NFP | Wikipedia.de | sensiplan-im-netz.de

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4 Kommentare

  1. Liebe Mona,

    Ich finde es toll, dass du hier über solche Themen schreibst. Ich betreibe nfp nach Sensiplan noch als Neuling (< 1 Jahr), und zwar mit unter 18 nach zwei Jahren mit der Pille, von der ich mich überglücklich getrennt habe. Zum Erlernen der Methode sind Beratungen hilfreich, außerdem gibt es noch ein Forum im Internet. Das in Kombination mit dem erwähnten Regelwerk "Natürlich und Sicher" macht es recht einfach, die Regeln und Hintergründe dahinter (also im Grunde genommen den eigenen Körper) zu verstehen und die Methode verlässlich anzuwenden.

    Entgegen mancher vielleicht kritischen Stimmen finde ich die Methode gerade bei unregelmäßigen Zyklen hilfreich, da es grundsätzlich Regelmäßigkeiten gibt, egal ob die Zyklen sehr lang, sehr kurz usw sind.

    Das tollste: Man hat durch nfp immer eine ungefähre Ahnung hat, wo der Körper im Zyklus steht, und ob man seine Ruby (ja, damit bin ich auch schon angefixt :D) griffbereit halten sollte oder noch ein wenig Zeit hat.

    Und damit stöbere ich jetzt ein wenig bei dir weiter. 🙂

    • Hallo liebe Marlene,

      vielen Dank für deinen lieben Kommentar 🙂

      Ich finde es klasse, dass du dich als so junge Frau mit NFP befasst und so bewusste Entscheidungen triffst – echt super!

      Das empfinde ich auch als ein ganz großes Plus, wenn man weiß, wo man gerade im Zyklus steht. Das gibt viel Sicherheit und Vertrauen in den eigenen Körper – möchte das auch nicht mehr missen 🙂

      Dann wünsch ich dir viel Spaß beim Stöbern 🙂

      Ganz liebe Grüße und alles Gute,

      Mona

  2. Liebe Mona,

    ich liebe ja deine Themenauswahl! 🙂
    Die NFP wende ich bereits seit mehr als drei Jahren erfolgreich an. Und zwar zur Verhütung. Auch wenn die ersten Reaktionen von nicht-Eingeweihten meist äußerst kritisch einen verdeckten Kinderwunsch diagnostizieren… 😉
    Es gehört durchaus Disziplin dazu, besonders am Anfang, wenn man noch nicht so richtig daran gewöhnt ist, auf den eigenen Körper zu achten.
    Es gehört für mich aber zu den absoluten Vorteilen dieser Methode, dass man als Frau den natürlichen Rhythmus seines Körpers kennen lernt – mit allen Höhen und Tiefen. Ich finde es schon teilweise gruselig, wie wenige Frauen überhaupt wissen, wie ihr Körper „normalerweise“ reagiert.

    Ich benutze zum Sammeln meiner Daten die App „WomanLog Pro“. Es gibt auch eine kostenfreie Variante, an der mich bei dauerhafter Nutzung die Werbung zu sehr gestört hat. Die App kann ich definitiv empfehlen. Das Handy hat man ja doch meist dabei und man kann auch andere Symptome wie Stimmungen oder körperliche Beobachtungen eintragen.

    Insgesamt würde es mich sehr freuen, wenn sich diese natürliche Methode bei den Frauen, für die sie geeignet ist, weiter verbreitet!

    Liebe Grüße
    Lena

    • Hallo liebe Lena,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Es freut mich sehr, dass dir die Themen gut gefallen.

      Dann bist du ja schon ein richtiger NFP-Profi 😉
      Wenn man von dieser Methode noch nie etwas gehört hat, dann schwirren schon ein paar Fragezeichen über dem Kopf, wenn man „Natürliche Familienplanung“ in Zusammenhang mit Verhütung hört. Das kann schon für Verwirrung sorgen *g*

      Ich finde es auch sehr wichtig, dass Frau weiß, was im eigenen Körper so vor sich geht. Und da ist diese Methode ja wirklich toll. Es ist erstaunlich, wie genau einem der Körper zeigt, was Sache ist, wenn man ihm nur besser „zuhört“ 🙂

      Diese App kannte ich bisher nicht… werd ich mir aber definitiv mal anschauen! Vielen Dank für den Tipp 🙂

      Viele liebe Grüße

      Mona

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