Die Pille – wie sinnvoll sind Hormone auf Rezept?

Mit der Pille hat Frau eine praktische, einfache und – bei korrekter Anwendung – sichere Verhütungsmethode. 1961 wurde die erste „Anti-Baby-Pille“ auf den deutschen Markt gebracht. Gerade bei den jüngeren Frauen ist sie das am häufigsten verwendete Verhütungsmittel. Meist wird sie dann über viele Jahre eingenommen, ohne genau zu wissen, was durch die künstlichen Hormone genau im Körper vor sich geht. Aber welche Auswirkungen hat die Pilleneinnahme auf den Körper?

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Die Pille | © Foto: Fairwandlung.de

Der natürliche weibliche Zyklus – kurz und knapp

Jeder weibliche Zyklus beginnt mit dem ersten Tag der Regelblutung und endet einen Tag vor der nächsten Blutung. Der gesamte Zyklus dauert zwischen 23 – 35 Tagen und lässt sich in 2 Phasen (+ Eisprung) einteilen:

  • Eireifungsphase
  • Eisprung
  • Gelbkörperphase

Während der Eireifungsphase wird das Hormon Östrogen gebildet, welches die Gebärmutterschleimhaut, die zuvor abgestoßen wurde, wieder neu aufbaut. Mehrere Eibläschen (Follikel) mit darin liegenden Eizellen reifen in dieser Zeit in einem der beiden Eierstöcken heran.

Das am weitesten entwickelte Eibläschen platzt und die Eizelle wird vom Eileiter aufgenommen. Dieser Vorgang wird Eisprung genannt. Die Eizelle macht sich anschließend auf den Weg in Richtung Gebärmutter.

Das im Eierstock zurückgebliebene Eibläschen wandelt sich nach dem Eisprung in eine Drüse um und wird zum Gelbkörperchen. Dieses Gelbkörperchen produziert weiterhin Östrogen – allerdings in etwas geringeren Mengen – und bildet zusätzlich das Hormon Progesteron. Das Progesteron sorgt dafür, dass die Gebärmutterschleimhaut für eine mögliche Einnistung einer befruchteten Eizellen vorbereitet wird (Gelbkörperphase). Während dieser Phase steigt die Körpertemperatur um wenige Zentel-Grad (Temperaturhochlage).

Falls keine Befruchtung stattgefunden hat, geht der Gelbkörper nach ca. 12 – 16 Tagen zugrunde und die aufgebaute Gebärmutterschleimhaut wird durch die Regelblutung abgestoßen: ein neuer Zyklus beginnt.

Wenn du genauer wissen möchtest, was während des Zyklus im Körper passiert, dann kannst du das unter Der natürliche weibliche Zyklus nachlesen 🙂

Wirkung der Pille

Die Pille zählt zu den hormonellen Verhütungsmethoden und enthält künstlich hergestellte Hormone, die in den weiblichen Zyklus eingreifen. Die zugeführten Hormone unterdrücken die Funktion der Steuerhormone FSH und LH, die in der Hirnanhangsdrüse gebildet werden und führen zu einem relativ konstanten Hormonspiegel, der in einem natürlichen Zyklus nicht vorgesehen ist.

Es findet während der Pilleneinnahme normalerweise keine Eireifung statt. Auch der Zervixschleim (Schleim im Gebärmutterhals) verfestigt sich, verstopft den Eingang zur Gebärmutter und verhindert somit das Eindringen von Samenzellen.

Außerdem werden die Eileiter „stillgelegt“, sodass die Eizelle im Falle eines Eisprungs nicht zur Gebärmutter weitertransportiert werden kann.

Die Gebärmutter wird ebenfalls ein Stück weit lahm gelegt. Es findet kein Aufbau der Gebärmutterschleimhaut mehr statt.

In Deutschland nehmen über 70 % der Frauen zwischen 20 und 29 Jahren die Pille, bei Frauen über 30 sind es mehr als 40 %

Welche Pillenarten gibt es?

Die Pille wurde über die Jahre weiterentwickelt und die anfänglich noch hoch dosierten Hormone reduziert, sodass bei gleichbleibendem Schutz die ungewünschten Nebenwirkungen verringert werden konnten.

Die neueren Pillen sind individueller einsetzbar und können so ein Stück weit auf die Frau abgestimmt werden.

Die Mikropille

Um einen stabilen Zyklus zu erreichen, enthält die Mikropille das Hormon Östrogen und ein Gestagen. Die moderneren Präparate sind niedrig dosiert, sodass es die Verträglichkeit erhöht.

Bei der Mikropille unterscheidet man Einphasenpräparate und Mehrphasenpräparate:

Die Tabletten der Einphasenpräparate enthalten alle die gleiche Menge an Östrogen und Gestagen. Meist erfolgt die Einnahme über 21 Tage. Im Anschluss folgt eine Einnahmepause von 7 Tagen.

Bei den Mehrphasenpräparaten enthalten die Tabletten unterschiedliche Hormondosierungen, um sich dem natürlichen Zyklus anzunähern.

Die Minipillen

Bei den Minipillen handelt es sich um Monopräparate. Das bedeutet, dass nur ein Gestagen enthalten ist und KEIN Östrogen. Die Einnahme erfolgt durchgehend, ohne Pause.

Die „klassische“ Minipille wirkt auf Eierstock, Gebärmutterhals und Gebärmutter und zeichnet sich hauptsächlich durch die Bildung eines Schleimpfropfens aus, der den Gebärmuttereingang für die Samenzellen verschließt. Diese Pille muss jeden Tag zur gleichen Zeit eingenommen werden, um den vollen Schutz vor einer Schwangerschaft zu gewährleisten.

Die neueren Minipillen unterdrücken den Eisprung, wie auch die Kombinationspräparate (siehe oben: Die Mikropille). Hier muss die Einnahme nicht jeden Tag exakt zur gleichen Zeit erfolgen. Gelegentliche Abweichungen von bis zu 12 Stunden sind erlaubt.

Vorteile und Nachteile der Antibabypille

Bei korrekter Anwendung zählt die Pille zu einer der sichersten Verhütungsmethoden mit einem Pearl-Index von 0,1 – 0,9 (Mikropillen). Dieser Wert sagt aus, dass von 100 Frauen, die ein Jahr lang die Pille regelmäßig und korrekt eingenommen haben, weniger als eine Frau schwanger wird.

Vorteile der Pille

  • praktisch und unkompliziert
  • sichere Verhütungsmethode
  • Dauer und Stärke der Menstruation nimmt oftmals ab
  • teilweise besseres Hautbild
  • kann bei Akne helfen

Nachteile (mögliche Nebenwirkungen)

  • Übelkeit
  • Kopfschmerzen
  • Migräne
  • Gewichtszunahme
  • Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen
  • Zwischenblutungen
  • Libidoverlust
  • Brustkrebsrisiko steigt
  • Thrombose- und Embolierisiko steigt
  • uvm.

Bis bald

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Quellen: profamilia.de, schoen-sicher.de, Buch: Natürlich & sicher – Das Praxisbuch

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1 Kommentare

  1. Hallo Mona,

    ein wirklich guter Beitrag. Ich finde es toll, wie genau du die Zyklusvorgänge erklärst, sodass man auch wirklich versteht wie die Antibabypille eigentlich wirkt.
    Die Pille ist immerhin das am meisten verwendete Verhütungsmittel in Deutschland, da sollte Frau verstehen, wie ihr Verhütungsmittel funktioniert – auch um mögliche Anwendungsfehler zu vermeiden.

    Zur Anwendung auch noch eine kleine Ergänzung: Bei der klassischen Minipille besteht bei vergessener Einnahme zumindest ein Zeitfenster von 3 Stunden, in der Einnahme nachgeholt werden muss.

    Ein kurzer Hinweis auch zu den Nebenwirkungen: häufig kommt es vor allem zu Schmier- oder Zwischenblutungen, die vielen Frauen erstmal Angst machen können. Beginnt man das erste Mal mit der Pilleneinnahme oder hat das Präparat gewechselt, ist dies anfangs völlig normal und kein Grund zur Sorge. Der Körper gewöhnt sich erst noch an die Hormone – dennoch sollte diese Nebenwirkung natürlich bald vergehen.

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